Tiana Moser / FreigabeakteErstmuster · Nachweis · Entscheid
Freigabeplan / Blatt 01

Freigabe beginnt mit einem eindeutigen Musterstatus.

Ein Erstmuster ist nur interpretierbar, wenn Sollstand, Material, Werkzeug, Prozess, Kavität und Prüfzustand bekannt sind. Der Messwert allein erklärt nicht, was tatsächlich freigegeben werden kann.

Erstmuster-Dossier mit Spritzgussteil, Messmittel, Materialproben und Prüfblatt
DOSSIERDECKELTeil, Zeichnung, Werkstoffnachweis, Herstellzustand und Messbericht müssen dieselbe Musteridentität beschreiben.

Das Evidenz-Ledger.

Jede Freigabezeile verbindet vier Fragen: Was ist gefordert? Unter welcher Bedingung entstand das Muster? Welcher Beleg liegt vor? Welche Entscheidung folgt daraus?

AnforderungBedingungBelegStatus

Geometrischer Sollstand

3D-Modell, Zeichnungsrevision, Änderungsindex und definierte Bezüge stimmen überein.

Versionsgeprüfter Datensatz und markierte Schlüsselmerkmale.

prüfen

Werkstoff und Farbe

Exakter Materialtyp, Herstellerbezeichnung, Farbe, Rezyklatanteil und Konditionierung sind bekannt.

Chargen- oder Materialnachweis passend zum gefertigten Muster.

belegen

Werkzeugzustand

Kavität, Einsatzstand, provisorische Bereiche und noch fehlende Texturen sind dokumentiert.

Werkzeugstatus und Abweichungsliste mit Wirkung auf Prüfmerkmale.

abgrenzen

Fertigungsfenster

Muster stammen aus einem benannten Prozesszustand; Anfahrteile und Einstellversuche sind getrennt.

Relevante Parameter, Teilefolge und Kavitätszuordnung.

zuordnen

Mass und Funktion

Bezugssystem, Messmethode, Prüftemperatur und Konditionierungszeit sind festgelegt.

Messbericht plus Funktionsprüfung an priorisierten Merkmalen.

bewerten

Oberfläche und Erscheinung

Sichtzonen, Lichtbedingungen und zulässige Fehlerbilder sind beschrieben.

Freigabeteil oder Grenzmuster mit eindeutiger Identität.

referenz
Muster-IDEindeutig und am Teil oder Behälter rückverfolgbar
KavitätJe Nest getrennt auswertbar
TeilefolgeAnfahr-, Einstell- und stabiler Lauf unterscheidbar
PrüfzustandZeit, Temperatur und Konditionierung genannt
WerkzeugstandEinsätze und provisorische Abweichungen sichtbar
EntscheidFrei, bedingt frei, Korrektur oder Neumuster
Optische Vermessung eines Spritzgussgehäuses in einer Prüfaufnahme
Messstrategie / Blatt 02

Funktionsmasse zuerst.

Ein vollständiger Messbericht ist nicht automatisch ein guter Entscheidungsbeleg. Priorität erhalten Merkmale, die Montage, Dichtung, Kraftpfad, Lage oder Austauschbarkeit bestimmen.

1

Bezugssystem aus realer Bauteilfunktion ableiten und spannungsarme Auflage definieren.

2

Messmethode zur Geometrie, Oberfläche und erwarteten Toleranz wählen.

3

Schwindung, Verzug und Feuchteaufnahme erst nach definierter Konditionierung vergleichen.

4

Kavitäten und Teilefolge getrennt halten, damit systematische Muster sichtbar bleiben.

Die Korrekturschleife schliesst erst mit Wirkung.

Eine Massnahme gilt nicht als erledigt, weil Stahl geändert oder ein Parameter angepasst wurde. Sie wird geschlossen, wenn das betroffene Merkmal am definierten neuen Zustand erneut geprüft und entschieden ist.

AbweichungUrsachenhypotheseMassnahmeVerifikation
Merkmal ausser ToleranzMessaufbau, Schwindung, Verzug, Werkzeuggeometrie oder Prozesswirkung eingrenzen.Nur begründeten Hebel mit Verantwortlichem und Zielwert freigeben.Neues Muster am gleichen Bezugssystem messen.
Funktion nicht stabilToleranzkette, Montagekraft und Kavitätsstreuung gemeinsam analysieren.Geometrie, Prozess oder Gegenbauteil gezielt korrigieren.Funktionsprüfung über repräsentative Teilefolge wiederholen.
Optik nicht freigabefähigWerkzeugoberfläche, Fliessbild, Material und Beleuchtung trennen.Referenz und zulässige Variation vor Umsetzung bestätigen.Grenzmuster im definierten Lichtbild bewerten.